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Bodenprobenergebnissen 2020

Im Herbst wurden 159 im Bodenproben mithilfe des Kreisverbands für Gartenbau und Landschaftspflege BGL gezogen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Bodenproben zu vielen Nährstoffe aufweisen, der Gartenböden sind mehrheitlich überdüngt.

 

Dies scheint im ersten Augenblick zu überraschen, da die wenigsten Gartler mit synthetischen Volldüngern arbeiten. Doch auch Mist und Kompost enthalten eine hohe Konzentration an den essentiellen Pflanzennährstoffen Phosphor, Kalium (kurz: Kali) und Magnesium. 3 Liter Kompost pro Quadratmeter auf dem Gemüsebeet-, 2l auf Rasen und 1,5l unter Obstbäumen reichen vollkommen aus um den Nährstoffbedarf der Pflanzen zu decken. Keinesfalls sollte mehr als die genannten Mengen im Frühjahr ausgebracht werden. Aber sehen wir uns die einzelnen Nährelementen genauer an:

 

Stickstoff:

 

Stickstoff als „Motor des Pflanzenwachstums“ ist sehr flüchtig, sehr aufwändig im Labor zu messen und deshalb bei den Standardproben nicht untersucht. Um den Pflanzen ständig genügend Stickstoff zur Verfügung zu stellen, sollte jedes Frühjahr eine Stickstoff-Langzeitdüngung in Form von Hornspänen oder Schafwoll(pellets) gegeben werden. Diese werden nur langsam abgebaut und geben stetig kleinen Mengen Stickstoff an die Pflanzen ab. Zu empfehlen sind Schafwollpellets, da diese von Schafen aus dem Landkreis gewonnen werden. Hornspäne stammen zumeist aus weltweiten, unbekannten Quellen. Die Pellets werden oberflächlich in den Boden eingearbeitet. Dies ist im Gemüsebeet bei der Bodenbearbeitung im Frühjahr leicht möglich. Im Obstgarten, Rasen und Zierpflanzenbeet sind Hornspäne zu empfehlen, da sie einfach auf die Fläche gestreut werden können.

 

Humuszustand:

 

Beim Humuszustand wird der Kohlenstoff im Boden untersucht, der hauptsächlich in noch nicht vollständig zersetztem organischen Material auftritt. Diese Untersuchung ist bei Landwirtschaftlichen Böden interessant, bei kompostgedüngten Gartenböden ist er hingegen irrelevant. Verbessern könnte man den Humuszustand, indem man dem Kompost mehr Kohlenstoffhaltiges (festes) Material wie Holzzweige, Laub oder Staudenschnittgut zufügt.

 

Kalk, pH-Wert:

 

Ein pH-Wert von 7 bedeutet neutral. Ein Wert zwischen 7 und 15 wird als basisch oder alkalisch bezeichnet, Böden mit einem pH-Wert unter 7 hingegen sind saure Böden. Die meisten Pflanzen gedeihen am besten bei leicht saurem Boden (6,5-7). Die Vorlieben sind jedoch von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich. Hortensien, Heidelbeeren, Magnolien wollen sauren, Rhododendren sehr sauren Boden. Buche, Kirschen, Zwiebelgemüse und Petersilie bevorzugen eher basische Böden.

 

Senken kann man den pH-Wert durch Gabe von Kaffeesatz oder Waldboden mit Nadelstreu, sowie durch Mulchen mit Eichenlaub oder Rindenmulch. Steigern lässt sich der Wert durch Beimischung von Kalk. Da im Berchtesgadener Land das Ausgangsgestein Kalkgestein ist (Högl ist mit Sandstein eine Ausnahme), sind unsere Böden generell basischer Natur.

 

Phosphor:

 

Phosphor ist wichtig für gesundes Wachstum und maßgeblich für eine gute Entwicklung von Blüten, Früchte und Samen verantwortlich. Es sollte immer für die Pflanze verfügbar sein, doch ein zu viel des Guten kann auch negative Auswirkungen haben. Zum einen wird Phosphor ausgewaschen und beeinträchtigt die Umwelt, besonders Fließgewässer negativ und zum anderen kann es passieren, dass andere Stoffe durch das Überangebot nicht mehr aufgenommen werden können. Über drei Viertel der Proben weisen einen hohen bis sehr hohen Phosphorgehalt auf. Bis zur 15-fachen Menge des Optimums. Wurde stets mit Kompost und nicht mit mineralischen Düngern gearbeitet, ist der Phosphor im Boden gespeichert und wird einzig von den Pflanzen verbraucht. Das heißt der zu hohe Phosphorgehalt muss über die Jahre weggegessen werden und die Kompostgaben jedes Jahr stark reduziert werden.

 

Kali:

 

Bei der Hälfte der Böden hingegen ist zu wenig Kali enthalten. Kali ist verantwortlich für die Wasserversorgung der Pflanze und beeinflusst dadurch Stabilität, Abwehrkräfte und die Fruchtqualität.

 

Die Proben mit hohen und sehr hohen Kaligehalt wiesen allesamt einen extrem hohen Phosphorgehalt auf. Dies ist darauf zurückzuführen, dass üblicherweise mehr Phosphor als Kali in Komposterde enthalten ist.  Will man nun dem Boden durch Kompost genügen Kali zuführen, überdüngt man automatisch mit Phosphor. Vermutlich wurden diese Gärten mit mehr als 3l Kompost pro m² gedüngt. Eine Frühjahrsdüngung mit einem reinen Kalidünger aus dem Fachmarkt kann das Problem lösen. Auch in Hausmittel wie Brennnessel-Beinwelljauche ist viel Kali enthalten und für den biologischen Gärtner eher zu empfehlen. Ein weiteres Mittel mit (sehr) hohem Kaligehalt ist Holzasche. Aber Vorsicht: Es sollte nur saubere Holzasche verwendet werden. Also nur, wenn ausschließlich trockenes, unlackiertes und unimprägniertes Holz unter optimaler Verbrennung verwendet wird. Hinzu kommt, dass die von den Bäumen eventuell aufgenommenen radioaktiven Substanzen und Schwermetalle in der Asche konzentriert zurückbleiben.

 

Magnesium:

 

der Anteil von Magnesium ist in allen Proben hoch oder sehr hoch. Dies ist auf dem vorherrschend magnesiumhaltigen Dolomit und Dachsteinkalk im Berchtesgadener Land zurückzuführen und beeinträchtigt das Pflanzenwachstum erst bei extrem hohen Werten.

Bodenpr_Naerstvert

Nach den allgemeinen Informationen über die einzelnen Nährstoffe, ihre Verteilungen in den Proben und Maßnahmen zur Senkung/Steigerung wird die beilegende Düngerempfehlung näher betrachtet:

 

Düngemittel: Die Zahlen unter den Düngernamen zeigen die Verhältnisse der einzelnen Nährstoffe in der Reihenfolge Stickstoff, Phosphor, Kali, Magnesium an. 12+5+15+10 bedeutet als, dass das Düngemittel 17% Stickstoff, 5% Phosphor, 15% Kalium und 10% Magnesium enthält. Auf jeder Düngerpackung ist diese Angabe enthalten.

 

Die meisten Böden enthalten zu wenig Kalium. Als Kalidünger wird Kalimagnesia empfohlen. Da jedoch alle Böden reichlich Magnesium enthalten, ist Kaliumsulfat die bessere Alternative, um den Magnesiumanteil nicht noch weiter zu erhöhen.

 

Wie oben erwähnt sollte jeden Frühling eine Langzeit-Stickstoffdüngung erfolgen. Für den Gemüseanbau empfiehlt sich jedoch Schafwollpellets, die oberflächlich eingearbeitet werden anstatt Hornspänen auf die Fläche zu streuen.

 

Im Folgenden sind drei Beispielbefunde mit Düngeempfehlung erläutert.

BSpProbe_Gemuese

In den letzten Jahren wurde wahrscheinlich zu viel Kompost auf das Gemüsebeet gegeben. 110 mg/100g Boden ist ein extrem hoher Wert. 10- 20 mg/100g Boden ist optimal. Daher sollte bis zur nächsten Bodenprobe höchstens 1l/m² Kompost pro Jahr ausgebracht werden. Da durch die verminderte Kompostdüngung auch der Kaligehalt sinken wird, ist eine Zugabe von Kalimineraldünger (Kaliumsulfat anstatt Kalimagnesia) oder ein beimischen von sauberer Holzasche zur Komposterde empfehlenswert. Alternativ zur Holzasche oder Mineraldünger kann eine mehrfache Anwendung von Brennnessel-Beinwelljauche den Kaligehalt erhalten.

 

Als Stickstoffdüngung ist eine oberflächliche Einarbeitung von Schafwollpellets empfehlenswert.

 

Die Ausbringung von Kaffeesatz über das Jahr verteilt hilft, den pH-Wert leicht zu senken. Zusätzlich wirkt dieser als Stickstoffdünger und hat schneckenverkrämende Wirkung.

BspProbe_Obst2

Im Allgemeinen weist der Obstgartenboden ein sehr gutes Nährstoffverhältnis. Bei Bedarf kann der Boden noch ein wenig optimiert werden:

 

In den letzten Jahren wurde wahrscheinlich zu ein wenig zu viel Kompost auf den Obstgarten gegeben. 39 mg/100g Boden ist ein relativ hoher Wert im Obstgarten. 10- 20 mg/100g ist für diese Bodenart optimal. Daher sollte bis zur nächsten Bodenprobe höchstens 1l/m² Kompost pro Jahr ausgebracht werden. Der Kaligehalt von 13mg/100g Boden liegt nur knapp unter dem optimalen Wert von 15-20mg/m². Zwar wird durch die verminderte Kompostdüngung auch der Kaligehalt sinken, eine Zugabe von Kalimineraldünger (Kaliumsulfat anstatt Kalimagnesia) ist in diesem Fall jedoch nicht nötig. Durch das Beimischen von sauberer Holzasche zur Komposterde oder dem Ausbringen von Brennnessel-Beinwelljauche lässt sich der Kaligehalt leicht ausgleichen.

 

Handelt es sich im Obstgarten nicht um Kirschen, kann der pH-Wert durch Ausbringen von Kaffeesatz über das Jahr verteilt gesenkt werden.

BspProbe_Rasen

Vermutlich wurde dieser Rasen wenig bis nie gedüngt. Eine empfohlen zweimalige Gabe von Rasenfloranid in den kommenden Jahren steigert den Phosphor- und Kaliwert und bringt eine starke Stickstoffdüngung. Die ökologische Alternative ist eine Gabe von Gartenkompost (bis zu 3l m²), vermischt mit Hornmehl/späne zur Stickstoffdüngung im Frühjahr für die kommenden Jahre.