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Der Bärlauch – beliebtes Wildkraut mit Verwechslungsgefahr

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Jetzt im Frühling kann man seit einiger Zeit bei einem Spaziergang im Wald hier und dort einen leichten Knoblauchduft wahrnehmen: Bereits seit März spriessen immer mehr Bärlauchblätter aus dem Boden und bedecken inzwischen in Massenbeständen mehr und mehr viele Waldböden.


Bärlauch bildet Pflanzenteppiche: Bereits früh im Jahr beginnt der Bärlauch auf dem noch lichten Boden auszutreiben und bedeckt oft ein paar Wochen später bereits in Massenbeständen den Waldboden.

 

Bei uns im Süden Deutschlands kommt das beliebte Wildkraut noch vergleichsweise häufig vor, im Norden Deutschlands seltener und teils ist er sogar vom Aussterben bedroht - wie etwa in Brandenburg.

 

Ursprünglich bei uns in Europa heimisch hat sich der Bärlauch bis Nordasien und Nordamerika verbreitet. So wächst diese er in krautreichen, halbschattigen Buchen- und Mischwäldern, in Parks, entlang von Bächen oder Auwäldern sowie in Schluchten. Der Bärlauch wächst bevorzugt an halbschattigen Standorten mit humus- und nährstoffreichen, leicht feuchten Böden, insbesondere auf kalkreichen Böden gedeiht er gut.

 

Bärlauch bildet oft große und ertragreiche Bestände auf den Waldboden – so kann ein Quadratmeter des Bestandes bis 9 kg Samen im Jahr ausbilden. Dabei ist die Vegetationszeit recht kurz: So findet die Blütezeit bereits im April und Mai statt und die Blätter fangen langsam an, wieder zu vergilben und ihren intensiven Geruch zu verlieren. Bald darauf entwickeln sich die Samen. Die während dieser Zeit gebildeten Nährstoffe werden in Zwiebeln gespeichert – für den Austrieb der Pflanzen im darauffolgenden Jahr. 

 

Verwendung

 

Der Bärlauch wird auch als „Wilder Knoblauch“ bezeichnet. und ist dabei auch eng verwandt mit Knoblauch, Zwiebel und Lauch. Hingegen ist die Herkunft des Namens „Bärlauch“ unklar – so sollen Braunbären ihn nach ihrem Winterschlaf fressen oder bereits Germanen ihn als „kraftbringendes“ Heilmittel verwendet haben. Auch heute findet Bärlauch Verwendung in der Volksmedizin: So gilt er unter anderem als Heilmittel gegen Husten, soll Magen-Darm-Beschwerden lindern sowie verdauungsfördernd, blutdruck-, fieber- und cholesterinsenkend wirken. Neben Vitamin C, Mineralstoffen wie Eisen und Magnesium sind die Inhaltsstoffe Alliin und Allicin enthalten, von denen besonders letzteres für den charakteristischen leicht knoblauchartigen Geruch verantwortlich ist.

 

Aber auch abseits der medizinischen Verwendung findet Bärlauch bei uns Verwendung:

 

Der Bärlauch gehört zu den beliebtesten Wildkräutern und kann auch als Gartengemüse angebaut werden. Vielseitig genutzt wird er beispielsweise zur Herstellung von Bärlauchpesto, Bärlauchbutter, Bärlauchsuppe, Bärlauchknödel oder einfach als Beigabe zur Pasta. 

 

Verwechslungsgefahr

 

Doch Vorsicht - denn es besteht Verwechslungsgefahr - insbesondere im blütenlosen Zustand - mit den Blättern sehr giftiger Pflanzen, den Maiglöckchen und Herbstzeitlosen. Auch haben diese Pflanzenarten teilweise ähnliche Standortansprüche und können zusammen in einem Gebiet vorkommen:

 

Das Maiglöckchen bildet seine Blätter zwar etwas später als die Bärlauch, zeitlich gibt es hier aber Überschneidungen – so kann man seit Mitte April etwa die Blätter beider Pflanzen entdecken. Inzwischen kommen sie bei uns im Landkreis an einigen Standorten auch bereits massenhaft vor. Auch räumlich können beide Pflanzenarten nah beieinander vorkommen – wobei das Maiglöckchen zwar auch noch halbschattige aber vergleichsweise sonnigere und etwas trockenere bis leicht feuchte Standorte bevorzugt. Wie der Bärlauch kann es dichte Bestände bilden.

 

Dabei sind alle Pflanzenteile der Maiglöckchen giftig – dafür verantwortlich sind Glykoside, die Übelkeit, Schwindel, Durchfall und Herzrhythmusstörungen verursachen können – und im schlimmsten Fall tödlich wirken können.

 

Noch giftiger sind Herbstzeitlosen, die zwar, wie der Name schon sagt, im Herbst blühen, die aber ihre Blätter erst nach der Blüte ausbilden, im darauffolgenden Frühjahr. Diese bildet das Gift Colchicin aus – und bereits kleine Mengen von wenigen Blättern können bereits tödlich sein für einen erwachsenen Menschen. Dabei kommen Herbstzeitlosen im Gegensatz zu Bärlauch jedoch eher in Wiesen vor und eher selten in Wäldern – sie bevorzugen sonnigere Standorte.

 

Für den Notfall finden Sie hier die Telefonnummern der Giftzentralen:

https://gizbonn.de/vergiftungsfall/vergiftungsunfall-was-tun

 

Doch wie unterscheiden sich diese Pflanzenarten voneinander?

 

Sobald die Pflanzen beginnen zu blühen, wird eine Unterscheidung einfacher. Die Blüten lassen sich vergleichsweise leicht den einzelnen Pflanzen zuordnen.

 

Daneben stellt das markanteste Unterscheidungsmerkmal der Geruch dar – so riecht von diesen drei Arten nur der Bärlauch nach Knoblauch – etwa beim Zerreiben der Blätter. Dies kann man jedoch nur zu Beginn bzw. begrenzt überprüfen. Sobald die Hände den Knoblauchgeruch selbst angenommen haben, wird es schwierig, den Geruch weiterer Blätter zu testen.

 

Ein verlässlicheres Kriterium sind die teils recht deutlichen pflanzen-anatomischen Unterschiede:

 

So bildet der Bärlauch Blätter aus, die einzeln und an einem langen Stil aus dem Boden wachsen. Dabei ist die lanzettähnliche rund-elliptische Blattspreite deutlich vom Blattstil abgegliedert. Zudem ist beim Bärlauch die Blattunterseite matt, nur die Blattoberseite glänzt.

 

Beim Maiglöckchen wachsen die Blätter zu zweit aus dem Boden heraus und umschliessen dabei den Pflanzenstiel. Die Blätter selbst haben keinen deutlichen Blattstiel, ihre Blattoberseite wirkt vergleichsweise matt - und ihre Unterseite glänzt leicht. Insgesamt sind die Blätter auch einen helleren, eher blaugrünlichen Farbton und sind fester bzw. etwas dicker als Bärlauchblätter.

 

Bei der Herbstzeitlose sind die Blätter stiellos, lang und schmal – nicht rund - und glänzen auf beiden Seiten. Sie stehen auch nicht einzeln, sondern 2-3 Blätter pro Pflanze sind in einer Art Blattrosette umeinander gewickelt. Auch sie sind fester als die Bärlauch-blätter – welche wiederum viel dünner und zarter erscheinen.

 

Neben der Verwechslungsgefahr sollte der Bärlauchsammler auch das Vorkommen des Fuchsbandwurms bedenken – welcher auch bei uns im Landkreis verbreitet ist. So empfiehlt es sich, wild gesammelten Bärlauch zu kochen, um etwaig auch nach dem Waschen noch vorhandene Fuchsbandwurmeier abzutöten – die nicht mit dem bloßen Auge sichtbar sind.

 

Weiterhin gilt es auch den Naturschutzaspekt zu beachten: Bärlauch pflücken ist an sich – außerhalb des Nationalparkes - zwar nicht verboten, aber beim Sammeln von wild vorkommenden Bärlauch sollte man gewissenhaft vorgehen, damit die im Rückgang begriffenen Wildbestände nicht weiter gefährdet werden. So sollte etwa nur für den Eigenbedarf angemessene Mengen gesammelt werden, eine kommerzielle bzw. gewerbsmäßige Nutzung bedarf der behördlichen Genehmigung. Auch sollten pro Pflanze nur 1-2 Blätter gepflückt werden, um eine Entwicklung und Fortbestehen der einzelnen Pflanze nicht zu gefährden.

 

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte lieber aus kontrolliertem Anbau vom Gemüsehändler kaufen statt selbst zu pflücken. Auch lässt sich Bärlauch im heimischen Garten anbauen - hierfür können sowohl Setzpflanzen als auch Bärlauchsamen erworben werden.

 

Text: Julia Werner , Verantwortlich: Josef Stein

Fotoserien

Der Bärlauch – beliebtes Wildkraut mit Verwechslungsgefahr (10.​05.​2022)