Vier Obstbaumwarte aus dem BGL schließen Ausbildung erfolgreich ab
Erster Jahrgang der oberbayerische Baumwartausbildung erfolgreich absolviert
Berchtesgadener Land. In einer feierlichen Zeremonie wurden kürzlich die 55 Absolventen der einjährigen Obstbaumwartausbildung in Oberbayern geehrt. Vier Baumwarte davon, Stefan Kern, Roman Fritzenwenger, Hans Reiter und Pascal Marin stammen aus dem Berchtesgadener Landkreis. In über 100 Stunden wurden den Teilnehmern umfassende Kenntnisse und praktische Fähigkeiten im Bereich der Obstbaumkultur vermittelt.
Ins Leben gerufen wurde die Ausbildung von Streuobstberater Martin Landes aus Rosenheim in Zusammenarbeit mit den oberbayerischen Kreisfachberatern. Als Träger fungiert der Bezirksverband der Gartenbauvereine Oberbayern. Anschließend an den ersten Jahrgang wird die Ausbildung jedes Jahr aufs Neue angeboten werden. Auch in diesem Jahr werden vier weitere Baumwarte aus dem BGL ausgebildet und die Warteliste für die kommenden Jahren füllt sich schon. An dem oberbayernweiten Kurs können jährlich 63 Interessierte teilnehmen, so können drei Plätze pro Landkreis angeboten werden. Dieses Jahr haben 55 die Prüfung bestanden. Auch ist die Ausbildung vom Landwirtschaftsministerioum ofiziell anerkannt, sodass die Absolventen berechtigt sind, die geförderte Pflege von Obstbäumen (Kulap I 82) zu übernehmen.
Teilnehmer müssen Mitglied eines Gartenbauvereins sein. Idealerweise sind die Absolventen an den Verein gebunden und wirken dort mit ihrem erworbenen Fachwissen als Multiplikatoren. So wie bei den vier frischen Baumwarten aus dem Berchtesgadener Land, die dieses Jahr in ihren Ortsvereinen einen Schnittkurs anbieten und Vereinsmitglieder in Sachen Streuobst beraten. Die Ausbildung mit Fokus auf die Praxis - zwei Drittel der Zeit standen die Teilnehmer vor,- in oder- auf den Bäumen - ist in zehn Module wie Erziehungsschnitt, Altbaumschnitt, Obstverwertung, Ökologie, und Neueanlage von Streuobstwiesen gegliedert. Die Theorie fand für alle 60 Teilnehmer Oberbayerns am Vorabend des Praxismoduls online statt. So wurde jede Einheit durch eine Top-Fachperson referiert, ohne dass die Kosten des Kurses durch die Decke gingen. Für die Praxistage wurden die Teilnehmer in drei Regionalgruppen aufgeteilt, sodass je 20 Teilnehmer in Ost,- West,- und Nordoberbayern an Obstbäumen das Erlernte praktisch umsetzen und üben konnten.
„Die Ausbildung war eine großartige Gelegenheit, mein Wissen über Obstbäume zu vertiefen und praktische Erfahrungen zu sammeln“, sagte einer der Absolventen, der seine Leidenschaft für die Obstbaumkultur entdeckt hat. „Ich fühle mich nun gut gerüstet, um in der Praxis zu arbeiten und mein Wissen weiterzugeben.“
Laut Martin Landes, Leiter des Kurses besteht die größte Herausforderung im Streuobstanbau unserer Zeit nicht darin, alte Bestände zu pflegen, sondern dass die neu gepflanzten Bäume nach den ersten zehn bis fünfzehn Jahre gesund und mit einem guten Kronenaufbau dastehen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Bäume später zum Einen hohen Ertrag bringen, die Flächen gut nutzbar sind und letztlich auch ein hoher ökologischer Wert erreicht werden kann. Extremwetter wie Trockenheit im Sommer, lange feuchtkalte Perioden im Frühling, neue pilzliche Schaderreger, Insekten, Wühlmäuse, sowie fehlerhafter Erziehungsschnitt und mangelnde Bodenpflege verhindern oft, dass sich junge Obstbäume in den ersten Jahren am Standort etablieren können.
Die Absolventen sind nicht nur für die Pflege von Obstbäumen qualifiziert, sondern auch für die Beratung von Obstbauern und Hobbygärtnern. Die Nachfrage nach qualifizierten Baumwarten ist in den letzten Jahren stark gestiegen, da immer mehr Menschen Interesse an nachhaltiger Landwirtschaft und regionalen Produkten zeigen.
Die Veranstaltung wurde von Vertretern des Bezirksverbandes Oberbayern für Gartenkultur und Landespflege e.V begleitet, die die Bedeutung der Ausbildung für die Region hervorhoben. „Die Obstbaumwartausbildung ist ein wichtiger Schritt zur Förderung der Obstkultur in Oberbayern. Die Absolventen werden eine Schlüsselrolle dabei spielen, die Tradition des Obstbaus in unserer Region zu bewahren und weiterzuentwickeln“, betonte der Sprecher der oberbayerischen Kreisfachberater Markus Breier
Die Absolventen erhielten ihre Zertifikate und wurden ermutigt, ihr neu erlerntes Wissen in die Praxis umzusetzen. Viele von ihnen planen, eigene Projekte zu starten oder bei bestehenden mitzuhelfen. Die vier BGLer sind schon seit letztem Jahr fester Bestandteil des Sortenerhaltungsgartens in Haberland. Sie übernehmen zusammen mit Kreisgartenfachberater Sepp Stein den Erziehungsschnitt der 100 Hochstämme und 100 Spindelbäume umfassende Obstanlage.
Mit dem Abschluss dieser Ausbildung ist ein neuer Kreis von Fachleuten bereit, die Zukunft des Obstbaus in der Region aktiv mitzugestalten. Die Absolventen sind motiviert, ihre Leidenschaft für Obstbäume in die Tat umzusetzen und einen positiven Beitrag zur Kulturlandschaft und regionaler Obsterzeugung in Oberbayern zu leisten.
Text: Josef Stein, Kreisgartenfachberater
Fotoserien
Ausbildung Baumwarte 2024 (29.01.2025)
Baumwarte2024: geballtes Obstbaum-Knowhow für das Berchtesgadener Land: von links nach rechts: Stefan Kern, Hans Reiter, Roman Fritzenwenger, fehlend: Pascal Marin (Foto: Roman Fritzenwenger)
Hans Reiter SchnittkursTheorie: Hans Reiter vom OGV Freilassing gibt sein Wissen beim seinem ersten Obstbaumschnittkurs für Mitglieder des Gartenbauvereins weiter (Foto: Hans Reiter)
Urheberrecht:
Roman Fritzenwenger, Hans Reiter







