Großes Interesse am Veredelungskurs
In diesem Frühjahr organisierte der Obst-und Gartenbauverein Anger einen Veredelungskurse unter der Leitung des Kreisgartenfachberaters Sepp Stein. Der Verein stellte Übungsmaterialien wie Veredelungsmesser, Übungsreiser, Weidenäste zum probemäßigen Aufpfropfen zur Verfügung. Nach einer kurzen theoretischen Einführung wurde die Schnittführung geübt und die Reiser auf die Weidenstämme gepfropft.
Besonders Apfel-und Birnbäume eignen sich sehr gut zum Veredeln. Natürlich ist das Veredeln mit Kernobst (Zwetschge, Pflaume, Kirsche, etc.) genauso möglich, dies erfordert jedoch ein sehr sauberes Arbeiten und somit mehr Übung.
Die Unterlage (Wurzel) gibt die Wüchsigkeit und Höhe des Baumes vor. Dabei unterscheiden wir zwischen Spindelbusch, Halbstamm und Hochstamm. Darauf wird die gewünschte Edelsorte veredelt. Alle Obstbäume mit bekannten Sorten sind veredelt, unveredelte Obstbäume werden als Wildlinge bezeichnet. Es ist auch möglich auf einen Obstbaum mehrere Sorten zu pfropfen. Sei es, weil die Sorte doch nicht dem Geschmack entspricht oder um die Erntezeit zu verlängern. Besonders für kleine Gärten sind mehrere Sorten an einem Baum ideal. So kann sich zum Beispiel jedes Familienmitglied seine Lieblingssorte auf einem Baum aussuchen.
Das häufigste und einfachste Verfahren ist das „Pfropfen hinter die Rinde“. Die Kursteilnehmer übten hier mit einer Engelsgeduld den schrägen Schnitt des Edelreises, anschließend wurde das Edelreis hinter die geöffnete Rinde der Unterlage geschoben, mit Bast umwickelt und mit Baumwachs versiegelt, damit auf die Kontaktfläche kein Wasser eintritt. Wichtig ist sauberes, möglichst keimfreies Arbeiten. Das Zusammenwachsen von Edelreis und Unterlage geht umso schneller und sicherer, je mehr sich das Kambium* von Unterlage und Edelreis berühren (*Das Kambium ist das teilungsfähige Gewebe zwischen Holz und Rinde).
Edelreiser werden von Mutterbäumen in der Zeit der Saftruhe, bei Steinobst im November, bei Kernobst im Januar geschnitten. Die Lagerung bis zum Zeitpunkt der Veredelung Mitte bis Ende April ist entscheidend für ein erfolgreiches Anwachsen. Die Reiser müssen feucht und kalt gelagert werden, damit sie weder austrocknen noch austreiben. Dies geschieht am besten in einem Eimer mit feuchten Sand, der im Keller oder Garage aufbewahrt wird. In einer Plastiktüte im Kühlschrank ist ebenfalls ein guter Aufbewahrungsort.
Referent Stein erklärte den Teilnehmern noch weitere Möglichkeiten des Veredelns wie Kopulieren und das Geißfußpfropfen. Ersteres wird angwandt, wenn der Astdurchmesser der Unterlage dem des Edelreises entspricht. Für das Geißfußpfropfen entscheidet man sich wenn, der Ast der Unterlage stärker als das Edelreis ist, aber weniger als 5 cm Durchmesser aufweist.
Mitglieder des Gartenbauvereins stellten verschiedene Edelreiser zur Verfügung, auch von alten und seltenen Obstsorten, Kirschen, Mirabellen und sogar Pfirsichen, sodass sich die Teilnehmer für die eigenen Bäume zuhause eine große Auswahl mitnehmen konnten.
Josef Stein






