Obstbaumschnitt ist Pflanzenschutz (31.03.2022)
Kurzentschlossen organisierte die Vorsitzende des Obst-und Gartenbauvereins Anger, Doris Baumgartner, auf Wunsch der Familien Gumpinger am Steinhögl einen Obstbaumschneidekurs. Da der Kreisfachberater des Landkreises, Sepp Stein kurzfristig verhindert war, übernahm German Heck aus Surberg, Gärtner und geprüfter Baumpfleger sowie 2.Vorsitzender des Gartenbauvereins Surberg den Kurs.
Mit Schautafeln und viel Anschauungsmaterial vermittelte der Kursleiter viel Wissenswertes zum Thema. Vor dem Baumschnitt steht normalerweise der Kauf des Baumes, da sollte man sich Gedanken über den zur Verfügung stehenden Platz im Garten und der zukünftigen Größe des ausgewachsenen Baumes machen. Für kleinere Gärten werden Spindelbäume, Busch-oder Halbstamm empfohlen. Ein Hochstamm ist eigentlich nur für Streuobstwiesen geeignet, er ist Aufgrund seiner Genetik, auch mit starkem Schnitt nie ein geeigneter Baum für einen kleinen Garten. Beim Kauf sei vor allem auf gute Qualität (in Baumschulen erhältlich) zu achten, vor allem einen großen Wurzelballen, der das Anwachsen wesentlich erleichtert sowie Sorten die in unser Klima passen. Bei der Pflanzung immer einen Pfahl der bis in Kronenhöhe reicht mit in das Pflanzloch schlagen. Der frisch gepflanzte Baum benötigt in den ersten Jahren einen festen Halt damit die feinen Wurzen bei Wind nicht verletzt werden. Bei Trockenheit in den ersten Jahren ist ausreichend gießen selbstverständlich. Obstbaumschnitt wird überwiegend im Winter ausgeführt, allerdings nicht bei starkem Frost. Walnuss verträgt einen Schnitt nur im Spätsommer, Beerensträucher und Kirschen werden mit der Ernte geschnitten. In den ersten 5 Jahren ist ein jährlicher Erziehungsschnitt unbedingt notwendig. Damit wird das Grundgerüst für eine stabile Kronenbildung des Baumes gelegt. Wichtig ist die Stammverlängerung als Gipfel, 3 Seitentriebe als Leitäste und Entfernen von Zwieselwuchs. Um zu steil stehende Äste abzuleiten erklärte der Referent das Spreizen und Binden von den Leittrieben. Diese Methode ist etwas zeitaufwändig aber sehr hilfreich beim Aufbau einer stabilen Krone.
Auffallend ist bei den vielen Bäumen, die inzwischen im Rahmen der Biosphären Obstbaumaktion gepflanzt wurden, dass der wichtige Erziehungsschnitt und Kronenaufbau in den ersten Jahren versäumt wird. Es ist schade, dass die Biosphärenbäume nicht mehr Wertschätzung erfahren. Eine stabile Krone beugt im Alter Windbruch vor, bedenkt man, dass ein Obstbaum bis zu 70 Jahre alt wird. In den weiteren Jahren wird durch einen Ertrags- oder Erhaltungsschnitt die Qualität des Obstes gefördert. Bei einer lockeren Baumkrone trocknen Blätter und Obst schneller ab und somit wird Krankheiten und Pilzbefall vorgebeugt. Das ist aktiver Pflanzenschutz und erspart viel Chemie. Je höher die Sonneneinstrahlung, auch inmitten der Krone umso mehr Zucker wird in den Früchten eingelagert. Dadurch wird das Obst süßer und schmackhafter. Gedüngt wird im Obstgarten mit organischem Dünger, auch der Einsatz von Gesteinsmehl hat sich bewährt. Bei schlechter Fruchtqualität wie zum Beispiel Stippe kann ein Kaliummangel vorliegen, Holzasche zur Zeit der Fruchtbildung ausgebracht hilft hier vorbeugend.
Desweiteren erklärte der Referent die verschiedenen Baumsägen und Baumscheren, wobei auch hierbei auf Qualität zu achten ist: Bei hochwertigem Werkzeug gibt es Klingen und Federn als Ersatzteil nachzukaufen. Wichtig ist auch auf die Arbeitssicherheit zu achten. Leiter mit einem Gurt am Baum befestigen, bei hohen Bäumen evtl. schon mit morschen Ästen, soll man sich nicht genieren und auch mal einen Klettersitz verwenden. Anschließend wurde an 2 kleineren Bäumen der Erziehungsschnitt geübt. Der weitere Praxisteil wurde abgebrochen, da für den theoretischen Teil nicht wie vereinbart Räume zur Verfügung standen und somit die Teilnehmer schon etwas „durchgefroren“ waren.